Über das Projekt

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piazza nostra: ein Blick hinter die Leinwand

Die Geschichte des Locarno Film Festivals wurde bereits vielfach erzählt. Allerdings kommen in den Festschriften, offiziellen Publikationen, Reportagen und Dokumentarfilmen diejenigen, die ausserhalb des Rampenlichts zum Erfolg des Festivals beigetragen haben, bisher nur ganz am Rande vor. Obwohl es sehr umfangreiche Archive gibt, die bis zu den Anfängen des Festivals im Jahr 1946 zurückreichen, sind viele Menschen, die hinter den Kulissen tätig waren, unbeachtet geblieben, sodass ihr Beitrag dem Blick der Historiker:innen und Journalist:innen entgeht. piazza nostramacht diese der breiten Öffentlichkeit bislang unbekannten Erfahrungen der ehemaligen Mitarbeitenden, Anwohner:innen und Festivalgänger:innen sichtbar. Durch das Projekt werden ihre Stimmen hörbar, und ihre Berichte werfen neue Schlaglichter auf die Geschichte des Locarno Film Festivals. So wird es möglich, über die äusseren Eindrücke hinauszugehen und hinter das offizielle Bild einer internationalen Veranstaltung zu blicken. 

Je nachdem, aus welcher Perspektive die jeweiligen Personen über das Festival berichten, fällt die Erzählung anders aus. Nach der Oral-History-Methode blicken Zeitzeug:innen auf ihren Weg zurück, tauchen in ihre Erinnerungen ein und rekonstruieren ihre eigene Geschichte aus einer ganz persönlichen Sicht. Bei ihren Gesprächen mit dem Team von piazza nostra haben sie sich mit mehr oder weniger Abstand ihre Erfahrungen ins Gedächtnis zurückgerufen. Mit anderen Worten: Sie liefern nicht die Wahrheit, sondern eine Wahrheit, nämlich die ihre, entstanden auf der Grundlage ihrer Erinnerungen zu einem bestimmten Zeitpunkt. Auf diese Weise tragen die Interviews dazu bei, unsere Wahrnehmung der Vergangenheit zu bereichern. Für das Projekt piazza nostra sind diese Beiträge nicht trotz, sondern gerade wegen ihrer Subjektivität von historischem Interesse. 

Die gesammelten Erfahrungsberichte sind sehr vielfältig, erheben allerdings keinen Anspruch auf Vollständigkeit und auf Repräsentativität für all jene, die das Locarno Film Festival zu dem gemacht haben, was es ist. Erklären lässt sich dies mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen, der begrenzten Dauer des Projekts und damit, dass die Zusammenstellung erst im Zuge der Begegnungen und manchmal auch durch Zufall entstanden ist. Einige Personen wurden direkt kontaktiert, andere hatten durch Mundpropaganda davon erfahren. Einige Freiwillige mussten ihre Teilnahme aus gesundheitlichen Gründen oder wegen Terminproblemen absagen, andere lehnten die Einladung schlicht und einfach ab. Dennoch vermittelt diese Sammlung von 50 Erfahrungsberichten, die in sieben Videoclips zusammengefasst sind, einen umfassenden Überblick darüber, was ein Festival ausmacht.

Erzählen bedeutet, eine Auswahl zu treffen

Wie fasst man 100 Stunden Videomaterial in sieben rund 20-minütigen Videoclips zusammen? Wie können wir unser Verständnis der Geschichte des Locarno Film Festivals anhand von Erfahrungsberichten vertiefen? Zwischen August 2024 und November 2025 hat sich das Team von piazza nostra mit 50 Personen unterhalten, die ganz unterschiedliche Hintergründe und Sichtweisen haben. Allen gemeinsam war, dass sie in den vergangenen 60 Jahren auf die eine oder andere Weise am Locarno Film Festival beteiligt waren. 

Ziel dieses Vorhabens war es, die verborgenen Facetten der Festivalgeschichte zu beleuchten: die Arbeit hinter den Kulissen, die Auswirkungen auf das Leben der Menschen, die gesellschaftliche Relevanz des Festivals und seine Bedeutung für die Region Locarno. Die Gespräche wurden in Form von halbstrukturierten Interviews geführt. Die Fragen an die Zeitzeug:innen bezogen sich auf ihren persönlichen Werdegang, ihre Verbindung zu der Veranstaltung und auf die Veränderungen, die sie im Laufe der Jahre beobachtet haben. Auch war vorgesehen, Raum für die Anekdoten, Emotionen und Erlebnisse der Teilnehmenden zu lassen.

Der Inhalt dieser 100 Interviewstunden wurde transkribiert. Nach sorgfältiger Durchsicht entwickelte das Projektteam rund ein Dutzend Erzählstränge, in denen die Interviews und erzählten Geschichten zusammengefasst werden konnten. Die hier vorgestellten Videoclips sind das Ergebnis dieser systematischen Arbeit. Die Interviews werden bis Ende 2026ungekürzt in der Cinémathèque suisse archiviert, damit sie für Forschungszwecke und die Öffentlichkeit zugänglich sind.

Zur Geschichtensammlung
Pia Assets Website La Cabina Lila

Ausstellung und Spuren im Stadtaum

Eine Ausstellung im Innenhof des Museo Casorella in der ehemaligen Projektionskabine des Festivals sowie ein Rundgang durch die Stadt Locarno präsentieren gefilmte Interviews und Fotografien.

Cinémathèque suisse

Alle Aufnahmen werden nach Projektende in der Cinémathèque suisse in Lausanne archiviert. Somit wird sichergestellt, dass die gesammelten Erinnerungen auch für zukünftige Generationen erhalten und öffentlich zugänglich bleiben. 

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Archiv: Ausstellung im Teatro Paravento

piazza nostra war am Locarno Film Festival 2025 mit einer kleinen Ausstellung im Teatro Paravento präsent.